Museen und Tourismus

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„ … allenfalls von touristischem Interesse … “(?) - Museen und Tourismus

Tagung des Museumsverbandes Baden-Württemberg e.V. am 16. und 17. Oktober 2009
Ort: Kurpfälzisches Museum, Heidelberg

„Im Museum ist jeder Besucher ein Tourist.“ In zunehmendem Maße suchen die Menschen im Museum „fremde Welten“ und weniger „Heimat“, „Herkunft“ und „Identität“, die vielleicht eher Schlagworte museumspolitischer Sonntagsreden sind. Denn was wäre „Herkunft“ bei der Steinzeit, „Identität“ mit dem römischen Soldatenleben oder „Heimat“ bei der Kunst des „Blauen Reiter“. Kunstmuseen folgen ohnedies eigenen Regeln.

Museen für den Touristen funktionieren anders als unsere Museen für die eigene Bevölkerung, wie man in Museen in Tourismusländern, Griechenland oder Ägypten, in Rom, Florenz, Athen, Kairo oder Tunis studieren kann. Überraschende These: Touristenmuseen besitzen eine höhere „Stabilitas“ als andere Museen, sind weniger oder kaum auf Sonderausstellungen angewiesen, müssen aber ihre Stücke bzw. die wichtigsten möglichst garantiert ausgestellt haben – am besten immer am gleichen Platz, um durch Reiseführer leicht auffindbar zu sein. Dafür wird ihnen eine Tendenz zur „Reduktion der Komplexität“ (N. Luhmann) nachgesagt, um – angeblich – den Highlight-Konsum leicht fasslich und schnell absolvierbar zu machen. Ein Vorurteil?

„Wir Deutschen müssen mehr lernen, unser Land mit den Augen der Anderen zu sehen“, hat ein aktiver Außenpolitiker jüngst gesagt. Schon jetzt stehen auch deutsche Museen und museale Denkmäler in Tourismus-Hochburgen wie Rothenburg o. d. T. (Kriminalmuseum), Heidelberg (Schloss) oder Neuschwanstein vor der Aufgabe, zahlreiche ausländische, auch asiatische und arabische Reisegruppen zu bedienen, ohne dass darüber bislang museologisch besonders reflektiert wurde und professionelle Überlegungen angestellt worden sind. Folgt man den Thesen von Bazon Brock, wird „Old Europe“ in 30 oder 50 Jahren aber weitgehend ein Museums- bzw. Themenpark vergangener „abendländischer Kultur“ für nichteuropäische Besucher und Reisegruppen aus den Weltwirtschaftszentren Asiens oder Amerikas sein, so dass wir rechtzeitig beginnen sollten, uns dafür zu rüsten. Bringt dabei „das touristische Auge“ neue Betrachtungsweisen und Anforderungen an die Museen  und unser Kulturgut, öffnen sich neue Perspektiven, wenn wir selbst, oft genug selber „Tourist“ in Museen im Ausland, uns zunehmend für unsere eigenen Museen in unserer Arbeit den „touristischen Blick“ zu eigen machen? Perspektiven, die durch „Fremdheitserfahrung“ und -vermittlung interkulturell neue Brücken schlagen können?

Harald Siebenmorgen



Prof. Dr. Harald Siebenmorgen
Im Museum ist jeder Besucher Tourist - Einführung in das Tagungsthema

Rainer Laubig
Fremde oder Freude? - Anmerkungen zum Verhältnis von Museen und Tourismus

Prof. Dr. Hans-Joachim Klein; Nora Wegner
Empirische Aussagen zum Thema Museen und Tourismus

Prof. Dr. Frieder Hepp
Millionen Touristen in Heidelberg - und die Museen?

Dr. Kirsten Fast
Touristen und Museen - brauchen sie einander?

Klaus-Dieter Rohlfs
Der Oberrheinische Museumspass als Mittel des Museumstourismus Vortrag
Der Oberrheinische Museumspass als Mittel des Museumstourismus Präsentation

Dr. Tilmann von Stockhausen
Freiburgs Museen und die Touristen

Margit Langer
Massen in Maßen - Freilichtmuseen im Spannungsfeld zwischen Massenmedium und Kulturtourismus

Prof. Eduard C. Saluz
Wohin zum Kuckuck? Das Deutsche Uhrenmuseum als Touristisches Highlight und als Fachsammlung

 

Tagungsvorträge und Publikationen